Sonntag, 25. März 2018

Die Ökolüge von Konzernen | Filmvorstellung 'Die grüne Lüge'

Wenn Ihr es nicht auf Instagram in den Stories mitbekommen habt, gestern habe ich im Kino den Film "Die grüne Lüge" gesehen. Ein Film, wie es der Untertitel beschreibt, über die Ökolügen von Konzernen und was wir dagegen tun können. Ein Film von Werner Boote und Kathrin Hartmann, die zum Ende der Filmvorführung gestern zur Diskussion vor Ort waren. Es kommen Menschen zu Wort, deren Haltung inspiriert und Menschen die ... lügen. Die im Film gezeigten Schicksale und Ungerechtigkeiten, die uns vielleicht nicht ganz neu sind, berühren noch mal zutiefst, die offen gelegte eiskalte Profitgier der kranken Wirtschaftskonzerne ist ein Schlag in die Magengrube.

Der Film hat mich beeindruckt und es ist wieder so weit. Die Gedanken um Konzernlügen, Greenwashing, Konsumkritik, ... müssen raus, sonst platze ich. Und das will ja keiner. Also ich nicht.


Ökolüge von Konzernen, Greenwashing, Konsumkritik, Globalisierungskritik, Kathrin Hartmann, Werner Boote, Konsumboykott, Aktivismus, die grüne Bewegung


Grüner Kuschelkurs

Auf der grünen Welle versuchen viele Unternehmen durch ganz viel Umweltliebe dem Konsum einen flauschigen Deckmantel überzuziehen.

Beispiel aus dem Film:
RWE stellt in das unfassbar riesige und immer größer werdende Gebiet des Braunkohleabbaus Garzweiler ein paar Windkraftanlagen. Sollten im Film bitte gezeigt werden, im Gegenzug gab es die Drehgenehmigung inkl.  Tesla vor Ort. Und die Aktionärsversammlung wird mit den Worten eröffnet: RWE ist grüner als viele denken. (...). Ohne Worte.

Mithilfe von solch kleinen Engangements, im Vergleich zum Gros des Konzerns, werden #nachhaltigesarschlochprodukt -e verkauft (new label). Wir sollen uns schließlich gut fühlen beim Konsumieren. Wir sollen weiterhin Bedürfnisse des Überflusses entwickeln, wir sollen kaufen wollen, auf Kuschelkurs mit Konsum die Welt retten, je mehr, desto besser. Jeder soll in der Lage sein zu konsumieren, deshalb muss alles billig sein, man will ja keinen ausschließen. Der Preis: die Erde geht halt dabei drauf. Unserem Konsum zuliebe. 



Anerkennung grüner Bemühungen

Muss man nicht die Mühen der Konzerne, nachhaltigere Wege einzuschlagen, anerkennen? Kommt drauf an und in der Regel: Nein! Nein, denn hier geht es um mehr als eine Fünf in Mathe.

Wenn mir jemand ständig in die Fresse schlägt, bin ich auch nicht dankbar, dass er sich ganz viel Mühe gibt mich nicht umzubringen. Dass er mir hier und da lieb ein Pflaster auf die Wunden klebt und an neuartigen Medikationen forscht, vielleicht mithilfe von Tierversuchen, denn das rechtfertigt das Bemühen um Schmerzlinderung. Vielleicht bietet er mir wahlweise an, statt mit der Faust drauf zu prügeln, einen Baseballschläger zu nehmen. Das Holz für den Schläger stammt selbstverständlich aus nachhaltig bewirtschafteten Forstbetrieben. Womit auch immer, es muss ja weitergehen, parallel zu den redlichen Bemühungen um Wiedergutmachung. Denn das kommt gut an und das stärkt einem doch den Rücken auf dem Weg zur Weltherrschaft - ogottogottogott! Früher oder später krepiere ich an den Verletzungen.
I
ch = Umwelt.


Palmöl

Hauptthema des Films. Fazit von Kathrin Hartmann: Es gibt kein Bio-Palmöl. Gibt es nicht. Für jeden Tropfen Palmöl wurde und wird aktuell Regenwald gerodet und Tiersterben in Kauf genommen worden. Zum Beispiel für Nahrungsmittel, Kosmetik, ... Biokraftstoff. Und dabei ist Elektromobilität keine Lösung, lediglich eine Problemverschiebung (zeigt der Film).


Konsumentscheidungen

Konsumentscheidungen sind ein zu wenig wirksamer Einflussfaktor auf die umweltzerstörenden Machenschaften der weltweiten Großkonzerne. Kathrin Hartmann sagt, dass die Politik dem Menschen die Verantwortung des Konsums übergibt. Uns ist es jedoch kaum möglich zu unterscheiden zwischen Wahrheit und Lüge. Deshalb lehnt sie es ab, sich mit Bemühungen zufrieden zu geben, die bei der Politik, den Regierungen, dem System liegen. Die Lösung liegt nicht im Massenkonsum in grün, der uns alle beruhigen und weiter konsumieren lassen soll, die Lösung liegt in der Systemveränderung und diese ist per Recht als Bürger einzufordern. Diskussion im Video: Absurditäten ethischen Konsums und des Kapitalismus' mit gutem Gewissen.


Nachhaltigkeitsbemühungen vs. Existenz

Das Bemühen um Nachhaltigkeit ist in den von Leid betroffenen Ländern ein Kampf um Existenz. Während wir uns um das 24. T-Shirt aus möglichst fairer Produktion bemühen, kämpfen Frauen und Männer um ihr eigenes Land das ihnen genommen wurde, um ihre Gesundheit, um ihr Überleben. Ihr Kampf, den sie mit so viel Mühen und auf bewundernswerteste Weise in kleinen Erfolgen gewinnen (zeigt der Film), ist für den Fortbestand von uns allen grundlegend!


Was tun?

Es braucht Aktivisten*innen, Kläger*innen, eine kraftvolle Bewegung um dem kranken System entgegenzuwirken, um für soziale und ökologische Gerechtigkeit einzustehen.
Der peruanischer Bauer Saul Lucianodas hat im letzen Jahr eine Klage gegen RWE eingereicht, das Oberlandesgericht entschied in die Beweisaufnahme zu gehen. Ein überaus wichtiger Präzedenzfall. 

Boykott

Dennoch, es ist genau richtig, so konsequent es nur geht, alle Konzerne zu boykottieren die nicht von Grund auf auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind. Jeder Versuch von Konzernen sich zu verbessern zeigt, auf welchen Werten der Aufbau Ihres Unternehmens fußt; der maximale Gewinn durch Raubbau an Natur, Mensch und Tier dient seit Jahren und Jahrzehnten einzelnen, deren Machtbesessenheit und Geldgier. 

Nestlé, Unilever, Procter & Gamble, ...


Konsequenz

Wenn Unternehmen die per Grundsatz ethisch kriminell handeln, wirklich nachhaltig agieren wollten, würden sie den Laden dicht machen. Neu anfangen. Und es von Beginn an richtig machen, denn aus der Scheiße in die sie sich Jahre oder Jahrzehnte tief verstrickt haben, kommen sie nicht raus.

Systemänderung

Aber wenn die dicht machen würden, würden dabei Arbeitsplätze draufgehen. Ja! Gesundschrumpfen nennt man das. Jeder arbeitet weniger, dafür alle. Es gibt weniger Produkte, nämlich genau so viele wie wir brauchen. Stichwort: Postwachstumsökonomie


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Mein persönliches Fazit


Wut
Mich hat der Film extrem wütend gemacht, wütend auf Konzerne, auf Lobbyismus, auf die Mechanismen in der Wirtschaft, der Politik., ... auf die unendlich vielen grünen dreisten Lügen. Diese unfassbaren Ungerechtigkeiten, dieser Raubbau an der Erde, als hätten wir noch ein paar davon in der Reserve.

Der Film stößt in mir auch eine Wut auf all die an, die sich einen Scheiß um diese Probleme scheren. Die bequem sind, sich hinter einer Empathie, Kinderliebe und Tierliebe verschanzen die nur bis zur Fußmatte vor der eigenen Haustür reicht. Wo ein bestimmter Lippenstift, Urlaub, Rucksack, ein bestimmtes Auto, Handy, Kleidungsstück, Möbel wichtiger ist als z.B. Menschenwürde, globale Gerechtigkeit. Die bei solchen Themen direkt abwinken und auf Ihren eiskalten egoistischen Lebensgenuss verweisen "man lebt nur ein mal!". 

Und er macht mich wütend auf mich selbst, weil ich so viele Stunden in der Woche mit m Scheiß wie Architektur verplemper. Eine Architektur, die getränkt ist von umweltschädigenden Reglements. (...) Wut, weil ich mein Harmoniebedürfnis zu oft vor die Bedeutung der Greueltaten stelle. Weil ich zwar selbstbewusst in meiner Meinung bin, aber doch zu viel Schiss habe, im Mittelpunkt von Anfeindungen zu stehen und ggf. nicht zu Wort zu kommen oder weil mich geballte Negativreaktionen stumm werden lassen könnten oder ich zur richtigen Zeit nicht die richtigen Worte finde. Weil ich keinem zu nahe treten möchte, weil doch gerade ich um persönliche Einflussfaktoren weiß, wegen derer sich keiner ein Urteil über einen anderen per se erlauben darf. Weil ich weiß, dass ich auch nur ein Mensch bin, der Moden aufsitzt, der sich verändert, der in verschiedenen Lebensphasen die Prioritäten neu setzt, der aber hoffentlich nie wieder die beschriebenen Missstände so verdrängt, wie es zu lange der Fall war.

Mut
Der Film zeigt Menschen, die für die gute Sache stehen; ihr Handeln, ihr Langmut, ihre radikale Besonnenheit und Kraft beeindrucken. Noam Chomsky, Feri Irawan, Raj Patel, ... Alles Männer, schade, aber Männer, von deren Wissen ich mehr erfahren möchte.


Es wurden in den vergangenen Jahrhunderten viele Utopien und Forderungen ausgesprochen, sie wurden mitunter verlacht und heute gehören sie zur Selbstverständlichkeit unseres Lebens hier in Deutschland. Demokratie, Frauenrechte, Naturschutz, ...  Es ist wichtig, wo es sein muss, gegen die Masse zu schwimmen.

Ich muss noch viel radikaler sein. Mein Agieren/Negieren als Konsumentin wird immer besser, es gehört zum Teil meiner Seelenhygiene, aber das reicht nicht, davon ändert sich das System nicht. Ich sollte mich mehr engagieren, Aktivistin sein, mehr fordern, mehr auf den Sack gehen, noch unbequemer sein -mal gucken was passiert- die Energie meiner Wut kanalisieren, mir mehr Menschen suchen die mir den Rücken stärken, die ich unterstützen kann, größer denken, statt kleinklein. (puh!)

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Maren


P.S.
Der Film ist seit letzter Woche in den Kinos und zumindest laut der Aussage des Odeon in Köln, läuft er so lange wie ihn Besucher sehen wollen. Hier sind die Termine der Filmvorführungen in den nächsten Tagen zu sehen, zu denen Kathrin Hartmann und Werner Boote anwesend sind. Die Werbung zum Film läuft nicht über große Werbeetats auf Plakaten, medial, ..., sondern über Mund-zu-Mund-Propaganda. Dazu möchte ich hiermit beitragen.

Kathrin Hartmann (Journalistin, Autorin) hat wertvolle globalisierungskritische Bücher geschrieben, z.B. Aus kontrolliertem Raubbau. Werner Boote (Regisseur) hat u.a. den empfehlenswerten Film Plastic Planet gedreht.


1 Kommentar:

  1. Liebe Maren, ich finde deinen Artikel sehr interessant und habe mich in vielen Punkten wiedererkannt. Vorab möchte ich sagen, dass es schon ein paar Unternehmen gibt, die sich um echte Nachhaltigkeit bemühen. Die haben es aber wirklich schwer, weil das jetzige System diejenigen belohnt, die Menschen und Umwelt ausbeuten. Warum? Weil Folgekosten nicht der Verursacher, sprich der Produzent sowie Konsument eines Produkts, zahlt, sondern die Allgemeinheit (z.B. MÜllentsorgung, Gewässerreinigung usw.). Die Politik könnte einen großen Anreiz zur nachhaltigen Produktion setzen, würde sie die pauschale Mehrwertsteuer durch eine differenzierte Ökosteuer ersetzen: nachhaltige Produkte werden nicht oder kaum besteuert, umweltschädliche sehr hoch, und dies wird dem Verbraucher durch verschiedene Farben deutlich mitgeteilt. Genauer hab ich das hier beschrieben: http://www.pfauen-auge.de/2017/10/31/oekosteuer-statt-mehrwertsteuer/
    Welche Denkmuster uns daran hindern, nachhaltiger zu handeln, und wie man sie überwinden kann, hab ich hier geschildert: http://www.pfauen-auge.de/2018/03/19/kafka-kassandra-klimawandel/
    Dein Fazit finde ich genau richtig: Es reicht nicht aus, selbst zu versuchen so nachhaltig wie möglich zu leben (auch das gelingt mir nicht immer). Ein politisches Engagement ist gefragt, Visionen und Utopien sind zu entwickeln, also groß zu denken anstatt klein klein.
    Außerdem immer wieder in die Diskussion gehen und auf die Thematik aufmerksam machen, auch wenn es frustrierend scheint. Ich habe auch den Eindruck, dass so viele sich auf ihr privates Glück konzentrieren und den Rest verdrängen. Aber ein bisschen was bleibt doch manchmal hängen.
    Liebe Grüße!
    Amely

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